In den nächsten drei Impulsen denke ich darüber nach, wie die drei Begriffe Fördern, Fordern als Heraus-Fordern und Fordern als Auf-Fordern mit Lebenszufriedenheit zusammenhängen. Ehrlich gesagt mag ich alle drei Begriffe nicht besonders gern. Ich finde, sie klingen ein wenig nach allzu konsequenter Pädagogik, vielleicht klingen sie sogar ein wenig streng und altbacken. Dennoch kann ich bei genauerem Hinsehen beachtlich viel Positives in ihnen entdecken. Ich bin sogar der Meinung, wir können sie ein Leben lang gut gebrauchen. Schauen wir uns den ersten Begriff etwas genauer an:
- Fördern
Ein Kind braucht Förderung. Es erfährt eine optimale Förderung dann, wenn seine Eltern oder Bezugspersonen es in dem bestätigen, wie es ist und was es tut. Damit zeigen die Bezugspersonen dem Kind: es ist sinnhaft, was du tust und du bist mit deinem ganzen Selbstausdruck richtig! Ein in dieser Weise gut gefördertes Kind baut Vertrauen in sich selbst auf und fühlt sich richtig, weil es in seinem So-sein Anerkennung und Liebe erfährt. Als anerkanntes und geliebtes Kind kann es sich auch selbst anerkennen und lieben. Eine wünschenswerte emotionale Basis für ein ganzes Leben.
Viele Erwachsene leiden unter ihrem Erleben, als Kinder nicht richtig gefördert worden zu sein. Sie haben das Gefühl, mit ihren eigentlichen Begabungen steckengeblieben zu sein und haben bei Vielem, was sie tun den Eindruck, dass es zwar ganz okay ist, aber nicht das wirklich Richtige, worin sie sich authentisch und selbstwirksam erleben.
Das Zeitfenster der großen Bedeutung elterlicher Bestätigung für das psychische Selbsterleben hat sich im Erwachsenenalter geschlossen. Natürlich tut es auch dann noch gut, wenn uns andere für das, was wir tun loben. Doch häufig erleben wir die Komplimente nicht als lange wirksam, sie „verpuffen“ schnell wieder, wenn wir nicht selbst unser Tun und So-sein als ausreichend, liebenswert und gut erleben und uns dies auch selbst entsprechend positiv rückmelden. So bleibt immer eine Rest-Unsicherheit in unserem Selbsterleben. Dies kann soweit gehen, dass wir ständig Bestätigung von außen brauchen, um uns „richtig“ zu fühlen.
Was tun? Hier greift das Konzept des Be-elterns, also für sich selbst eine förderliche Elternschaft zu übernehmen. Und das könnte beispielsweise so aussehen:
Ich schaue mir einen Moment lang selbst wohlwollend zu, wenn ich mich einer Tätigkeit widme- und da kommt es überhaupt nicht darauf an, was ich tue: Ob ich im Beruf mit komplexen und anspruchsvollen Tätigkeiten konfrontiert bin oder für mich selbst, die Familie oder Freunde eine einfache Mahlzeit zubereite- Ich schaue mir einen Moment lang zu und nehme wahr, wie ich bei der Sache bin. Denn das, was ich gerade tue, ist wichtig, weil ich es tue und es ein Moment in meinem Leben ist. Und mein Leben drückt sich in jedem Augenblick durch mich selbst aus. Ich kann mir einen Moment lang zulächeln oder auch zuwinken- so wie die Mutter oder der Vater ihrem Kind zuwinkt, das auf dem Spielplatz die Rutsche heruntergesaust ist und danach schaut, ob die Eltern es bei seinem Tun sehen und es darin anerkennen.
Es fühlt sich häufig erstmal ungewohnt an, sich selbst zuzulächeln, zuzuwinken oder zuzuzwinkern oder auch laut oder im Stillen sich zuzusprechen: du bist richtig in dem, wie du bist und was du tust.
Der Zuspruch tut gut und gleichzeitig stößt das wohlwollende Be-eltern einen Prozess an, der dazu führt, dass ich immer besser erkenne, was mich in meiner inneren Entwicklung fördert und was mich behindert. Doch das ist ein Thema für einen anderen Impuls.
